zuletzt geändert am 04.06.2020

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die Else

Die Else selbst hat keine eigene Quelle, sie wird am Anfang vom Wasser der Hase gespeist. In trockenen Zeiten erhielt die Else früher das Wasser vielleicht zunächst von der Uhle, die fast parallel zur Hase fließt. Heute wird das Wasser der Hase reguliert und die Else bekommt einen festen Anteil.
Die Hase und die Uhle entspringen beide in Wellingholzhausen und fließen in nördliche Richtung. Bei Gesmold zweigt die Else von der Hase in östliche Richtung ab. Beide Flüsse durchqueren das Gebiet der Stadt Melle fast vollständig. Die Hase in Süd-Nord Richtung und die Else von West nach Ost.
Eine solche Bifurkation gibt es sonst in Deutschland nur bei wenigen kleineren Bächen. Die Else hingegen legt immerhin 35,2 Km bis zur Mündung in die Werre zurück, bei nur 27,9 Meter Höhenunterschied.

Es gibt zahlreiche Theorien, wie es zu der Bifurkation kam. Die künstliche Variante geht bis auf die Zeit der Römer zurück, oder auch auf spätere Schlossherren und Müller. Wasser ist und war eben zu allen Zeiten beliebtes Streitobjekt. Die wahrscheinlichste Variante ist, dass es eine Wassermengen- und damit Wetterabhängige natürliche Abzweigung gab, die heute künstlich reguliert wird.
Ganz unten ist eine Beschreibung aus dem Buch “Der Kreis Melle” zugefügt.

Wie und wann auch immer es zu der Bifurkation kam, in dieser Größenordnung ist sie einzigartig in Deutschland.Das Wasser der Hase mündet in zwei verschiedene Ströme – in die Ems, direkt von der Hase - und in die Weser über die Else und die Werre. Und die Weser wiederum hat auch keine eigene Quelle, sie entsteht durch den Zusammenfluss der Werra und Fulda bei Hann.-Münden.

Die Else hat zahlreiche oft künstlich geschaffene Nebenarme, die dann nach wenigen hundert Metern oder manchmal auch erst nach einigen Kilometern wieder einmünden. Das Flussbett wurde oft aus Hochwasserschutzgründen begradigt, so in Gesmold um bewohntes Gebiet zu schützen. Hier mündet die "Alte Else" erst nach einigen Kilometern wieder in die Else, Der Hauptgrund war aber in früheren Zeiten z.B. der Betrieb der damals wichtigen Wassermühlen. Im Ortsteil Melle z. B. ist die heutige "Umflut" vermutlich der ursprüngliche Verlauf der Else. Bis 1929 verlief die Ortsgrenze zwischen Melle und der damaligen Gemeinde Bakum Kilometerweit entlang der Else, nur zwischen dem heutigen Kurpark bis zur Oststraße war diese - nur wenige hundert Meter lange - "Umflut" die Ortsgrenze. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in der Mühlenstraße seit Jahrhunderten eine Wassermühle an der hier gestauten Else betrieben
.

der Verlauf der Else von der Bifurkation bei Gesmold zur Mündung in die Werre bei Kirchlengern / Löhne

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© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC BY-SA

Die Bifurkation bei Gesmold um 1900

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die Hasequelle bei Wellingholzhausen

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 CC-Lizen3.0 by "Sail over"

Die jetzt künstlich regulierte Abzweigung der Else von der Hase

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Die Else nach der Bifurkation

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Die Elsemündung in die Werre bei Kirchlengern / Löhne

Elsemündung

von rechts (südlich) fließt die Werre und passt ihren weiteren (nun östlichen) Richtungsverlauf dem der zufließenden Else an.

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Die Hase vor der Bifurkation

Hase vor Bifurkation

Hier zweigt die Else von der Hase ab

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Die Else bei Gesmold

Else bei Gesmold01
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(aus”Melle - Bilder aus der Vergangenheit” Hartmut Wippermann)
Die Meller Mühle und die gestaute Else in der Mühlenstraße um 1900

    Hier ist eine Beschreibung der beiden Flüsse und der Bifurkation 
    aus dem Buch “Der Kreis Melle” von Franz Schulhof aus dem Jahr 1908

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Über die Entstehung der Bifurkation sind die Meinungen geteilt. Einige behaupten, sie sei künstlich hergestellt und betrachten die Uhle als den "eigentlichen" Zufluß der Werre. Nach einem Durchstich des schmalen Wiesensaumes habe man die Uhle zu einem Beiflusse degadiert und dem künstlichen Kanale mit der Hauptstrecke den Namen Else gegeben. Das kann aber nicht sein. Die Hasebifurkation ist ein Werk der Natur, das die Geographen folgerndermaßen erklären. Die Hase fließt bei ihrer Gabelung über die Scheidelinie zwischen den Flußgebieten der Ems und Weser und trifft hier einen "kritischen Punkt", eine Vertiefung des Bodens, welche sich nach beiden Seiten abdacht. Dadurch wurden die Wassermassen geteilt; zwei Drittel behielten ihre alte Richtung und den alten Namen, ein Drittel strömte östlich und bekam den Name n Else. Diese Darstellung will andern noch nicht genügen; sie sind der Ansicht, da0 plötzliche, gewaltige Naturereignisse, wodurch die Wasserstandsverhälnisse unserer Gegend von Grund aus verändert wurden, die Else nach Osten abgelenkt haben müssen. Man nimmt an, daß in vorgeschichtlicher Zeit vor dem Durchbruch der Weser bei der Porta die Gegend
"weithin bis in den jetzigen Kreis Melle See und Sumpf war. Den alleinigen Abfluß nach Westen bildete die Hase, von der es nicht unwahrscheinlich ist, daß sie in der Urzeit bedeutend war.Die Uhle mündete damals in die Hase. Der Durchbruch durch die Weserberge brachte die Staugewässer in jähe Bewegung nach der Porta hin. Die Flutwasser der Hase werden der plötzlich stärkeren Seitenströmung gefolgt sein; ein neues Flußbett bildete sich in Richtung Porta."

(aus Osnabrücker Volkszeitung 1905)

Sucht auf solche Weise der grübelnde Gelehrte die Ursachen der Bifurkation zu ergründen und kritisch zu beleuchten, so hat die lieblich schaffende Volksseele dieselbe in eine anmutige Sage gekleidet, welche uns der Dichter von "Siebenbuchen" kündet. Der mächtige Graf Kurt vom Holterberge hatte nur einen Sohn, den kühnen und tapferen Herwarth. Dieser verliebt sich in die schöne Else, die Tochter des Müllers. Das paßt nicht dem hochmütigen Grafen. Er beschließt die Jungfrau zu tötrn.

Seltsam Wild mit Purpurlippen,
Seltsam Wild mit Rosenwangen
Hält der der Kurt vom Holterberge
Heut im Uhlenbruch gefangen.

"Hülfe Herwarth! Rette, rette
Deine Else vom Verderben!"
Ungehört verhallt dein Rufen;
Schöne Else du mußt sterben.

"Herwarth! Herwarth!" gellt ihr Rufen,
"Else" tönt`s vom Berg hernieder
Ach, zu spät kommt deine Hülfe;
Siehst die Liebste nimmer wieder.

In das Herz der schönen Else
Fährt der Dolch mit Blitzesschnelle,
Blut´ge Spuren zu verwischen
Nimmt den Leichnam auf die Welle

Doch, o Wunder! Schäumend, grollend
Staut die Flut, entrinnt dem Bette;
Und der Rethwell heil`ge Wasser
Scheiden an entweihter Stätte

Schließt die Tote in die Arme
Drinnen ruht sie wohlgeborgen
Leise Klagelieder lispelnd
Fließt die Flut seitdem gen Morgen

Nächtlich, wenn im Uhlengrunde
Zirp und Unk im Moore schweigen,
Schließen an der Wunderstätte
Elben ihren bunten Reigen


Doch der Geist des treuen Herwarth
Hat den Schmerz nicht überwunden;
"Else! Else!" ruft´s noch heute
In den mitternächt´gen Stunden.

Still setzt die Hase ihren Lauf fort, als könne sie ihr Mißgeschick nicht verschmerzen, treibt murrend die Krusmühle, verläßt bei Warringhof den Kreis Melle und eilt zur schönen Stadt Osnabrück. Im Landkreise Osnabrück nimmt manches Bächlein auf. Unter diesen ist die Wierau am bemerkenswertesten. Sie entspringt in Oberholsten, fließt durch Niederholsten, Hiddinghausen und Schledehausen, umspült die Mauern der uralten Schelenburg und ergießt sich bei Wissingen in die Hase.

Die Else (= Erlenwasser) wird nach der Bifurkation bald verstärkt durch die Uhle. Dieselbe entquillt dem Fuße des Beutlings und umfließt westlich den Uhlenberg. Nach der Gabelung kann die Else anscheinend noch nicht recht ihren Weg finden; bei Gesmold hätte sie sich beinahe wieder mit der Hase vereinigt; dann nimmt sie aber kurz entschlossen ihren Lauf nach Osten. Bald erreicht sie das geschichtlich denkwürdige Schloß Gesmold. Ein Teil des Wassers fließt südlich am Schloß vorbei, füllt den Schloßgraben und treibt die Schloßmühle. Nach einem weiteren Laufe von etwa 4 Km kommt die Else an die Stadt Melle. Hier zeigt sie eine ansehnliche Breite. Nachdem sie die Mahlgänge der Meller Mühle in Bewegung gesetzt hat, strömt sie in ziemlich gerader Richtung nach Bruchmühlen, wo ihre Arbeitskraft abermals ausgenutzt wird. Nun bildet sie die Nordgrenze unseres Kreises; bei dem westfälischen Orte Oberahle tritt sie ganz in die Nachbarprovinz über, stürzt bei Löhne in die Werre und mit dieser bei Oeynhausen in die Weser.

Im Kreise Melle wird die Else durch zahlreiche Wasseradern verstärkt. Auf der rechten Seite ist die Uhle schon erwähnt. Kurz vor Melle empfängt die Else den Laer-Bach, der unter dem Namen Steinbach vom Kluse Brink (südlich vom Neuenkirchener Berge) in Westfalen kommt, durch Kerssenbrock und Eickholt fließt, in Schlochtern den Sansbach aufnimmt, an Gut Laer, wo er eine Mühle treibt, an Schmalenau und Drantum vorbei in schnellem Lauf zum Kreuzkolke eilt. Hier befindet sich das Meller Flußbad, eine praktisch eingerichtete, gut geordnete Badeanstalt, der Lieblingsplatz für alle, die im Sommer gerne ihren Körper in kühler Flut kräftigen und stählen.

An einer nordwestlichen Vorlagerung des Ravensberges ist die Quelle des Violenbaches. Er fließt durch die Schlucht bei Borgholzhausen in nordöstliche Richtung dem Winnebrock zu, trifft hier die Kreisgrenze, nimmt seinen Lauf durch Küingdorf und Eickholt nach dem Gute Sondermühlen und wendet sich dann in einem Bogen durch Handarpe, Gerden und Krukum nach der Else hin, welch er etwa 2,3 Km unterhalb Melle erreicht. -- Bei dem westfälischen Orte Werther an der Werther Egge enspringt der größte Zufluß der Else in unserem Kreise, die Warmenau. In der Nähe von Suttorf erreicht sie die Kreisgrenze und verfolgt dieselbe in nordöstliche Richtung bis Kl. Aschen; hier tritt sie noch eine kurze Strecke in den Kreis Melle und ergießt sich dann in die Else.

Vom Wiehengebirge empfängt die Else nur kleinere Bäche. Der Oldendorfer Mühlenbach komm von Ostenwalde, fließt an Oldendorf vorbei und mündet westlich von der Eue in die Else. Am Ostabhange des Adolfsberges ist die Quelle des Zwickenbaches; er belebt mit seinem munteren Gemurmel das romantische Zwickenbachtal, durchquert Bakum und erreicht östlich der Eue die Else. Von Barkhausen kommt der der Eikener Bach. Größer ist der Suttbach. Er entquillt dem Schlichtenberge in Holzhausen, fließt erst östlich nach dem Dorfe Buer, wendet sich dann in einem Bogen durch Tittingdorf und am Westabhange des Düing Berges vorbei nach Süden. Der Kilver Bach entspringt unterhalb Rödinghausen, erreicht bei Eggendorf die Kreisgrenze, verfolgt dieselbe zwischen Wehringsdorf und Westkilver entlang bis Bruchmühlen, wo er sich mit der Else vereinigt.

Im Norden des Kreises Melle hat auch die Hunte ihre Quelle. Sie bildet sich aus mehreren kleinen Bächen der Gemeinde Hustädte; der bedeutendste derselben kommt von der Nattenriede am am Fuße des Moselberges. In östlicher Richtung erreicht die Hunte die Huntemühle. Hier nimmt sie den am Ostabhange des Kellenberges entspringenden Ellerflebach auf, wendet sich dann nach Norden und durcheilt die herrliche Talschlucht, welche vom kleinen Kellenberge und dem Linner Berge gebildet wird. Auf ihrem weiteren Laufe bespült sie die Landesburg Wittlage, fließt durch den Dümmersee, strömt an der Stadt Oldenburg vorbei und mündet unweit Elsfleth in die Weser.

Der Kreis Melle gehört zu zwei verschiedenen Flußgebieten, zu denen der Ems und Weser. Die Scheidungslinie (Wasserscheide) bildet im Westen eine ganz geringe Bodenanschwellung, welche sich zwischen Hase, Else und Uhle hinzieht und stellenweise kaum 100 m Breite hat.