zuletzt geändert am 04.06.2020

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Gemeindereform

Gemeindereform 1970 / 1972

in Niedersachsen gab es bis 1969 insgesamt 4.202 selbständige Gemeinden. Dreiviertel davon hatten weniger als 1.000 Einwohner, fast die Hälfte sogar weniger als 500.
Die Erzeugung von Lebensmitteln war durch moderne Maschinen einfacher geworden, und die Ansprüche stiegen, denen die kleinen Bauerschaften nicht nachkommen konnten.
Es gab z. B. oft für mehrere kleine Ortschaften nur eine Schule mit nur einem Lehrer für alle Jahrgänge bis zur 8. Klasse. Bauland musste neu erschlossen werden, da waren die Gemeindegrenzen oft hinderlich und es gab noch viele andere neue Aufgaben, die die Kommunen zu erledigen hatten. Die Samtgemeinden hatten keine eigene Entscheidungskompetenz und es fehlten auch die Finanzmittel.
Deshalb sollten größere Verwaltungseinheiten mit einer Mindestgröße von 5.000 bis 8.000 Einwohnern durch Zusammenlegung mehrerer Kommunen geschaffen werden. 
Grundsätzlich gab es wohl im damaligen Landkreis Melle eine mehrheitliche Zustimmung, es war eher eine Frage mit wem man sich zusammenschließen sollte. Die östlich an NRW grenzenden Gemeinden hatten traditionelle Verbindungen zu ebenfalls kleinen Orten jenseits der Landesgrenze. Wellingholzhausen fühlte sich zu Borgloh hingezogen. In den Samtgemeinden Buer und Neuenkirchen wollten die Bewohner alles so belassen wie bisher.

Schließlich gab es 1969 eine kleine Reform, indem die Mitglieder der Samtgemeinden Melle, Riemsloh und Wellingholzhausen jeweils eine Gemeinde gründeten. Das einjahrtausend alte Riemsloh gab nun erstmals, aber nur für 2 Jahre, einer selbständigen Gemeinde seinen Namen.
Die Samtgemeinden Gesmold und Oldendorf waren zu klein um eine neue Gemeinde mit mindestens 5.000 Einwohnern zu bilden.

Bald war allen klar, dass die Reform kommt und so begann das gedankliche Schachern um die möglichen künftigen Konstellationen.
Schließlich ging es 1971 nur noch darum, ob alle Gemeinden im Landkreis Melle zu einer einheitlichen Gemeinde zusammengefügt werden oder zu einer großen Samtgemeinde mit politischen Befugnissen.

Am 10. Mai 1972 erhielt das am 25.04.1972 vom niedersächsischen Landtag verabschiedete sogenannte "Osnabrück-Gesetz" Rechtskraft. 

"§ 14: „Die Stadt Melle sowie die Gemeinden (alle Gemeinden des Landkreises Melle aufgeführt) werden zu einer Gemeinde Melle zusammengeschlossen, die die Bezeichnung „Stadt“ führt."

Mit § 18 wurde geregelt, dass die Landkreise Osnabrück, Melle, Bersenbrück und Wittlage aufgelöst werden und ein neuer Landkreis Osnabrück mit den neuen Gemeinden entsteht.

Von den Gemeinden des ehemaligen Landkreises Wittlage erreichten durch Eingemeindungen Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln die notwendige Gemeindegröße. Wittlage selbst wurde Ortsteil von Bad Essen.
Im nördlichen Teil des Landkreises wurden vier Samtgemeinden (Artland, Bersenbück, Fürstenau und Neuenkirchen) gebildet. Zum Beispiel wurde der ehemalige Landkreis Bersenbrück größtenteils zur neuen Samtgemeinde Bersenbrück mit sieben Mitgliedsgemeinden, die heute eine Einwohnerzahl zwischen 1.700 und 8.000 haben.

Die Samtgemeinden sind mit politischen Rechten ausgestattet, haben einen gewählten Samtgemeinderat und einen eigenen Samtgemeinde-Bürgermeister. Sozusagen sind sie Unterkreise im Landkreis.

 

Gemeindereform 1929

Bereits 1928/29 gab es eine kleine Reform, damals wurden die bis dahin selbständigen Gutsgemeinden Bruche, Gesmold und Ostenwalde aufgelöst.

Das Gut Bruche wurde von Eicken eingemeindet, das sich nun Eicken-Bruche nannte. Außerdem kam das benachbarte kleinere Eicken aus der Samtgemeinde Buer hinzu.

Die Gutsgemeinde Gesmold gehörte künftig zur Gemeinde Gesmold, statt umgekehrt - wie es Jahrhundertelang üblich war.

Das ehemalige Rittergut Ostenwalde wurde nun eine Siedlung in der Gemeinde Oldendorf.

Die größere Reform gab es aber in Melle, mit den betroffenen Gemeinden Bakum, Altenmelle und Drantum.

Im südlichen Teil von Bakum wurde 1855 der "Bahnhof Melle" an der Bahnlinie Osnabrück - Löhne errichtet, der auch damals schon diesen Namen trug. Rundherum entstand seit dem 19. Jahrhundert ein Gewerbegebiet.

Die Gemeindegrenze zwischen Bakum und Melle verlief entlang der Else, bzw. wenige hundert Meter entlang der (Else-) "Umflut". Die Grenze verlief also z.B in der Mühlenstraße zwischen der Bruchstraße (damals Bakum) und dem Bleichweg in Melle. Die Bahnhofstraße war zwar von Melle gebaut worden, gehörte aber zum Gemeindegebiet Bakum. Ähnlich war es dann beim Bau der Weststraße (damals "Sedanstraße") zum Güterbahnhof.
Die Stadt Melle hatte den Gewerbebetrieben mehr zu bieten als die ehemalige Bauerschaft Bakum, die möglicherweise auch mit diesen neuen Aufgaben überfordert war. Das war dann auch einer der Gründe für die Abtretung von 1,33 Km² Fläche an Melle. 1.295 Einwohner wohnten damals auf diesem Gebiet, die nun Bürger der damaligen Kreisstadt Melle wurden.

Altenmelle gab nur 0,07 Km² Land an Melle ab, und Drantum 0,17Km².

Besonders die Reform von 1929 wird sehr ausführlich in dem Buch “Meller Geschichte” von Wilhelm Knigge beschrieben. Über die Gemeindereformen von 1970 / 72 berichtet der Autor - neben den Fakten - auch aus der Sicht des Zeitzeugen.

(Das Buch ist auch in der Stadtbibliothek ausleihbar)

 

Landkreis Osnabrück seit 1972

a_Landkreis_Osnabrück2c1

Die Samtgemeinden:

 

Samtgem