zuletzt geändert am 04.06.2020

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Melle (Ortsteil von Melle-Mitte)

Melle gehörte zu den etwa 25 Siedlungen im Grönegau, die schon im 8. Jahrhundert existierten. Zu der Zeit lebten nur rund 1200 Menschen auf diesem Gebiet, das dem späteren Kreis Melle, bzw. der heutigen Stadt Melle gleicht.
Erstmals wurde Melle 1169 urkundlich erwähnt, damals noch als "Menele". Etwa 50 Jahre zuvor waren die Einwohner vom Gebiet des heutigen Altenmelle einige Kilometer nördlich rund um die dort schon bestehende Kirche umgesiedelt. Vermutlich war eine Brandkatastrophe die Ursache.
Die eingeschränkten Stadtrechte (auch "Wigbold", oder "Halbstadt" genannt) erhielt Melle 1443. Das betraf hauptsächlich wirtschaftliche Erleichterungen wie das Marktrecht, aber z.B. auch die Erweiterung der eigenen Gerichtsbarkeit. Melle hatte zu dieser Zeit weniger als 700 Einwohner.
Nach der Gemeindereform von 1853 war schon das "Amt Grönegau" identisch mit dem Gebiet der heutigen Stadt Melle. Seitdem besitzt Melle auch die vollen Stadtrechte.
Nachdem 1866 das damalige Königreich Hannover zur preußischen Provinz wurde, versprach der neue König Wilhelm „eine zweckmäßige und energische Verwaltung“ zu schaffen. Preußische Beamte hatten "chaotische Zustände“ festgestellt, und so entstand 1867 u.a. der Landkreis Melle-Iburg. Auch preußische Beamte waren wohl nicht unfehlbar, denn schon 18 Jahre später wurde 1885 das Gebiet des vorherigen “Amt Grönegau” nun zum Landkreis Melle, den es dann bis 1972 gab.

Die Kreisstadt hatte 1885 etwa 1700 Einwohner und etwa 30 Jahre später 3.300. Infolge einer Gebietsreform von 1929 kamen alleine von Bakum fast 1300 Einwohner hinzu.
Alle Gemeinden des Landkreises Melle wurden 1972 per Gesetz zur Stadt Melle im erweiterten Kreis Osnabrück zusammengeschlossen Die frühere Kreisstadt Melle ist heute ein Ortsteil im Stadtteil Melle- Mitte, und bildet die Kernstadt der Stadt Melle
.

Ganz unten ist eine Beschreibung des Ortes aus dem Buch “Der Kreis Melle” von Franz Schulhof aus dem Jahr 1908

Inhalt auf dieser Seite:

Bad Melle

Gebietsreform 1929

Notgeld in Melle 1917 - 1922

Geschichtliche von F. Schulhof (1908)

 

 

Melle

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g_Melle

Eine ”Google Earth”- Abbildung des Ortsteils kann behilflich sein, die Ortsstruktur besser zu erkennen. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Bad Melle

AK Melle02

Seit 1877 wurden zeitweise 3 Solquellen betrieben, später sogar mit Kurmittelhaus und Kurpark. Die älteste ”Wilhelmsquelle” war nach Eigenwerbung von 1909 ”die stärkste und gehaltreichste Quelle am Ort” und versprach wahre Wunder:

”Außergewöhnliche Heilerfolge namentlich Skrophulosis, Knochenbrüchen, und von sonstigen Wunden, zurückgebliebenen Leiden: gegen Flechten, Hautkrankheiten rheumatische gichtische Hämorrhoidal-Beschwerden wie Rückenmarksleiden”

Zumindest Linderung bei Hauterkrankungen ist bei Sol-Anwendungen wissenschaftlich nachgewiesen. Trotzdem blieb ein größerer Erfolg aus, denn die Gäste kamen hauptsächlich aus dem direkten Umland, und der Namenszusatz ”Bad-” blieb Melle vorenthalten. Das ist eigentlich nicht verwunderlich, denn in der Umgebung gibt es zahlreiche Sol-Kurorte, die z.T. sogar mit Salinen ausgestattet sind.

In Melle hat man damals anders und vermutlich richtig gehandelt, wie die Entwicklung in anderen Kurorten zeigt.
Aber schön wäre es doch, ein “Bad-Melle

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Gebietsreform von 1929

melle_Karte_1929ke

 

 

 

 

Melle vor 1929

von Bakum

von Drantum

von Altenmelle

Bereits 1929 hatte Melle vor allem von Bakum, aber auch von Drantum und Altenmelle Gebietsteile eingemeindet. Der Meller Bahnhof, damals wirtschaftlich noch sehr wichtig, lag zuvor im Gewerbegebiet der Gemeinde Bakum. Die Grenze zwischen den Gemeinden verlief zuvor teilweise entlang des Flusses Else, so dass z.B. auch die nördlichen Teile der heutigen Mühlen-, West- und Oststraße damals zu Bakum gehörten

(Die Weststraße hieß damals Sedanstraße, die Oststraße gab es so nicht.

s. auch Bakum

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Notgeld in Melle ab 1917

Melle Notgeld 10 Pf
Notgeld10b

Seit 1917 gab es in Melle mehrere Versuche ein ”Notgeld” auszugeben. Geldmünzen waren seit 1914 knapp geworden, weil deren Metall für den Krieg gebraucht wurde. Später, nach 1918, wurden die Münzen wegen ihres Metallwertes bei fortschreitender Geldentwertung gehortet.
Und so wurden Notgeld- oder auch Gutscheine im Wert von 5, 10, 25 und 50 Pfennig gedruckt. Fast genauso schnell wurde den Kommunen die Herausgabe solcher Geldmittel von den Aufsichtsbehörden untersagt. Aber erst seit 1922 gab es dann ein Gesetz, das die Herausgabe solches Ersatzgeldes verbot.
Der Druck von Pfennig Scheinen war da ohnehin zu teuer geworden, bald rechnete man mit Milliarden Mark und nun waren solche Scheine knapp geworden. Anfang 1923 mussten für einen US-Dollar schon ca. 50.000 Mark bezahlt werden, kurz vor Einführung des nun staatlichen Notgeldes - der Rentenmark - im November 1923, waren es dann über 600 Milliarden Mark.

Heute werden die damaligen Pfennigscheine der Stadt für ca. 2 - 5 Euro verkauft. Das ist doch mal eine Gewinnsteigerung: wer Anfang 1922 einen Dollar in 10 Pfennig-Scheine der Stadt Melle investiert hat, bekam dafür mindestens 2.000 Exemplare, im Herbst 1922 wären es sogar um die 45.000 gewesen

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Hier ist eine Beschreibung des Ortes aus dem Buch “Der Kreis Melle” von Franz Schulhof aus dem Jahr 1908

31

Melle in der Stadt Melle

31a

Melle im Stadtteil Melle-Mitte

Einwohner (1933)

5113

Einwohner (1961) 

9283

Fläche:

3,76

 

Ahornweg

Albert-Schweitzer-Str.

Alruneweg

Am Bahnhof

Am Friedhof

Am Goldbrink

Am Kleft

Am Nottkamp

Am Wasserwerk

Am Zwickenbach

Amselweg

An der Berglust

An der Bürgerweide

Auf der Obstwiese

Bahnhofstr.

Bakumer Kirchweg

Bakumer Str.

Beethovenstr.

Bei der Mühle

Bergstr.

Bischof-Bitter-Str.

Bismarckstr.

Bleichweg

Bleikamp

Bodelschwinghstr.

Breslauer Str.

Brucher Allee

Bruchstr.

Buchenweg

Buddenkamp

Buersche Str.

Carl-Bösch-Str.

Danziger Str.

Diedrichsstr.

Dohlenweg

Dr.-M.-Heilmann-Str.

Drosselweg

Dürrenberger Ring

Elsa-Brandström-Weg

Else-Allee

Elsestr.

Engbertsheide

Engelgarten

Feldstr.

Finkenweg

Forstweg

Friedrich-Ludwig-Jahn-Str.

Friesenweg

Fritz-Reuter-Str.

Frohnauer Str.

Gartenstr.

Gerhart-Hauptmann-Str.

Gesmolder Str.

Grönegauplatz

Grönegauplatz

Grönenberger Str.

Gutenbergstr.

Hafermasch

Haferstr.

Händelstr.

Haus Walle

Heiligenseestr.

Heinrich-Heine-Str.

Heinrich-von-Kleist-Str.

Helgolandstr.

Henri-Dunant-Str.

Hermann-Löns-Weg

Hermann-Unbefunde-Str.

Hermsdorfer Str.

Herrenteich

Hirschberger Str.

Hochstr.

Im Kleinen Kamp

Im Klusgarten

In den Weiden

Inselweg

Johann-Sebastian-Bach-Str.

Johann-Uttinger-Str.

John-Kruse-Str.

Kampstr.

Kirchstr.

Kleine Masch

Klöntrupstr.

Kohlbrink

Königsberger Str.

Kosakenallee

Krameramtsstr.

Laerscher Weg

Lichtenrader Straße

Lindath

Lübarser Str.

Luisenstr.

Markt

Maschgarten

Meller Berg

Meyer-zum-Gottesberge-Str.

Mozartring

Mühlenstr.

Neuenkirchener Str.

Neuer Graben

Neuero Masch

Neuerostr.

Niedersachsenstr.

Oldendorfer Str.

Osterkamp

Oststr.

Paul-Keller-Str.

Pestelstr.

Plettenberger Str.

Rabingenstr.

Regenwalder Str.

Reinickendorfer Ring

Riemsloher Str.

Rosenweg

Roter Gang

Saarlandstr.

Sandkamp

Schäferhof

Schürenkamp

Spechtsheide

Sperlingsweg

Stadtgraben

Stettiner Str.

Suerburgstr.

Suerdieckstr.

Tannenweg

Tegeler Str.

Teutoburgerstr.

Ulmenweg

Von-Bar-Str.

Von-Behring-Str.

Waldstr.

Waldwinkel

Wallgarten

Walther-Sudfeldt-Weg

Weststr.

Wittenauer Str.

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Stadt Melle

“Hier an der Else Strande
Im schönen Grönegau
 Auf waldumkränztem Lande
An reicher Blumenau

Da liegt im lieblichen Tale
Von Bergen rings bewacht,
Wie Frucht in goldner Schale
Stadt Melle in friedlicher Pracht.”

So besingt ein altes Lied die anmutige Lage der Stadt Melle. Sie verdankt ihren Ursprung der ersten christlichen Kirche im Grönegau, welche bald nach 800 erbaut sein soll.Als Standort wählte man für dieselbe nicht die Ortschaft, welche schon den Namen Melle führte, das jetzige Altenmelle, sondern den Kohlbrink (gule kalte Brink) die vorspringende Anhöhe im Elsetal.
Um die Kirche bauten sich, als man den Friedhof, der nach damaliger Sitte immer die Kirche umgab, abgegrenzt hatte, Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende aller Art an. Diese Siedler oder Wördner waren die ersten Bewohner unserer Kreisstadt. Daß sie sich im Laufe der Jahrhunderte mehr entwickelte als die übrigen Orte des Kreises, hatte eine zweifache Ursache. Zunächst war die Meller Kirche lange Jahre die einzige, später die Mutterkirche im Kreise. Deswegen eilten weit und breit die Leute herbei und brachten den Bewohnern der Stadt Arbeit und Verdienst. Ferner befand sich in unmittelbarer Nähe die alte Landesburg auf dem Grönenberge, wo der Gograf (Droste) die Verwaltung des Landes wahrnahm; nach dort kam der Landesherr oft zu längerem Aufenthalt. Als später das Schloß auf dem Gröneberge niedergerissen wurde, verlegte der Droste seinen Sitz in die Stadt Melle. Dadurch ward ihre Entwicklung wesentlich gefördert   

Melle erhielt 1443 vom Bischof Weichbildsgerchtigkeit, es bekam einen Bürgermeister nebst Schöffen und Rat. Die Civiljurisdiktion über die Bürger wurde durch einen besonderen, von der Bürgerschaft zu erwählenden Rat ausgeübt. In dem Freibriefe waren verschiedene Vergehen mit bestimmten Geldstrafen belegt; der Landesherr gestattete, daß jeden Mittwoch ein freier Wochenmarkt abgehalten wurde.

Das alte Weichbild Melle war von einem Graben mit dahinter befindlicher Mauer, die stellenweise durch einen Lattenzaun ersetzt war, befestigt. Der Stadtgraben erstreckte sich sich von der Meller Bank unter Schneiders Gastwirtschaft vorbei nach dem Kuhtore, von dort zu Prior an der Haferstraße Klohn an der Plettenbergerstraße, über den Esch nach dem Hause des Lederfabrikanten Jantzen an der Grönenbergerstraße, zurück zur Meller Bank. An den Stadteingängen waren verschließbare Tore, von denen die Namen Mühlen-, Plettenberger- und Grönenbergertor noch in Erinnerung sind. Durch die zahlreichen Kriegsunruhen des 17. Jahrhunderts hatte die Stadt viel zu leiden  

Haus des Korkfabrikanten Paul
Unter der Jahreszahl 1644 steht die Inschrift: “Durch Kriegershand, wie hier bekannt, dies Haus zu Grund ist abgebrannt; bewahr es, Herr, für aller Gefahr, und segne die Erben immerdar. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. 

Die Häuser damaliger Zeit waren Fachwerkbauten mit Strohdächern, die Straßen winkelig. Brach Feuer aus, so hielt es sehr schwer, dieses zur Zeit der Dürre auf seinem Herd zu beschränken. Zweimal ist unsere Stadt von einem großen Brandunglück heimgesucht worden; am 29. März1649 und am 10. Mai 1720; das letzte Schadfeuer war äußerst gefährlich.
(
 (Der Autor des Buches beschreibt den Ausbruch des Feuers mit damals üblichen Sprachgebrauch und Vorurteilen.)

(...)
Mit rasender Geschwindigkeit verbreitete sich das Feuer; an Löschen war nicht zu denken. Die Häuser am neuen Graben, an der Mühlen- und Grönenbergerstraße, am Markt und an der Krüger-(Kirch-) Straße wurden ein Raub der Flammen; die evangelische Kirche ganz, die katholische bis auf das Gewölbe., beide Pfarr- und Schulhäuser fielen dem wütenden Elemente zu Opfer. Im Ganzen waren 127 Gebäude 2/3 der Stadt, zerstört. 140 Familien hatten ihre ganze Habe verloren, vier Menschen, sowie zahlreiches Vieh fanden ihren Tod in den Flammen. Die fürstlichen, städtischen und Pfarr-Archive und sieben mehr oder minder wertvolle Bibliotheken gingen verloren. Der Gesamtschaden wurde auf mehr als 150000 Taler geschätzt. Groß war die Not; anerkennenswerter Weise leisteten aber die Herren von Ostenwalde, Sondermühlen, Ledenburg und Hünnefeld die erste Hülfe, indem sie Brot, Fleisch und Kleidungsstücke den Abgebrannten zusandten. Am 14. Mai schickte auch die Regierung Kleidungsstücke und Lebensmittel. Allmählich sank die Ziffer der Unterstützungsbedürftigen; Michaelis 1720 waren es noch 33. Zur Forträumung des Schuttes genügten die Arbeitskräfte aus dem Amte Grönenberg nicht, weshalb die Ämter Wittlage und Iburg zur Aushülfe herangezogen wurden. Die Abgebrannte waren zumeist nicht in der Lage ihre Häuser aus eigenen Mitteln wieder aufzuführen. Durch mehrere Kollekten und durch Vorschüsse der Rentenkammer wurde endlich die erforderlichen Gelder beschafft. Die Regierung verlangte jedoch, daß die neuen Wohnungen Ziegeldächer erhalten und daß die Straßen gerade gelegt gelegt werden sollen. Letzteres erregte eine große Verbitterung . Auf Anraten des Freiherrn von Vinke, der als Regierungskommissar den Aufbau überwachte, ließ man diesen Plan wieder fallen. Allmählich konnte eine Familie nach der andern ihr neues Heim beziehen. Der Aufbau der öffentlichen Gebäuden ging jedoch nur langsam vor sich; die katholische Pastorat konnte erst 1727 bewohnt werden, und der katholische Schulleiter Caesmann mußte bis zu dem selben Jahre fünfmal seine Wohnung wechseln, da er für 8 Taler Mietsentschädigung kein passendes Lokal finden konnte.     
 

Im übrigen war Melle aber ein schmucker Ortgeworden.
Zur Zeit der französischen Herrschaft hatte die Stadt auch etwas Militär, das “Meller Bataillon”. Die Einwohnerzahl, welche 1772 erst 1154 Seelen betrug, zeigte nur eine mäßige Zunahme. Anders wurde es aber als die Eisenbahn unseren Ort berührte. und Industrie hier einen lebhaften Aufschwung nahm.
 

Stattet man vom Bahnhofe kommend, Melle einen Besuch ab, so trifft man zunächst die Umflut, welche hier die Stadtgrenze bildet. Etwa 100m weiter gelangt man an die Else; an derselben liegt die Meller Mühle. Die war ehemals Landesherrlicher Besitz und wurde 1570 mit den Steinen von der alten Burg auf dem Grönenberge neu aufgebaut. Später ging sie in Flammen auf. Darauf wurde das jetzige Gebäude errichtet. Ecke Stadtgraben und Mühlenstraße steht das Postgebäude. Demselben schräg gegenüber liegt die Fleischwarenfabrik von Brune.
An der Biegung der Mühlenstraße sehen wir das Heim der Meller Bank, ein ansehnliches Gebäude, das der Stadt zur Zierde gereicht. Wandert man die ansteigende Mühlenstraße entlang, so zweigt sich links der “Neue Graben” ab, an welchem 1720 der große Brand seinen Anfang nahm, und gelangt zu dem mit alten Linden umgebenen Marktplatz. An seiner nordwestlichen Ecke steht das Wohnhaus des des Fabrikbesitzers Strarke, das 1900 umgebaut wurde, dessen Hauptbestandteile aber aus dem Jahre 1652 stammen. Südlich am Marktplatz erblickt man das Rathaus; es wurde 1733 nach dem Brande erbaut. 1651 stand hier ein Gebäude, das den Evangelischen als Schule diente und nebenbei als Rathaus genutzt wurde. In der Recessus Mellensis aber, durch welchen die Teilung des Kirchen- und Schulvermögend zwischen Katholiken und Evangelischen erfolgte, wurde bestimmt, daß dieses Haus fürderhin nicht mehr als Schule benutzt werden sollte, damit die Katholiken durch das Rufen und Schreien der Knaben im Gottesdienste nicht gestört würden.  

Hinter dem Rathause steht die katholische Kirche. Sie soll aus der karolingischen Zeit stammen. Zuverlässige geschichtliche Daten sind nicht bekannt.
Die Kirche hat ein Hauptschiff und ein kleineres südliches Nebenschiff. Ersteres ist spätromanisch, 21 m lang und bis zum Gewölbeansatz 8 m hoch; die Mauern sind teilweise 1,60 m dick. Das Nebenschiff, in frühgotischen Stil gehalten, wurde später angefügt. Durch Entfernung der Südwand war man gezwungen das schon vorhandene Gewölbe des Hauptschiffes durch eine Säule zu stützen; daher hat man hier die merkwürdige Erscheinung, daß die Kirche nur eine Säule besitzt. Das hübsche südliche Seitenportal zeigte vor 40 Jahren noch die Inschrift: “Hier wird das Abendmahl unter zwei Gestalten gespendet”. Sie weist auf die Zeit zurückk. in welcher die Protestanten zu ihrem Gottesdienst auch noch die katholische Kirche benutzten. Das Chor der Kirche ist später, wahrscheinlich zu zwei verschiedenen Zeiten angebaut. Ungleich, wiedie Teile des ganzen Gotteshaus, sind auch die Fenster. Auf dem Chore und im Seitenschiffe besitzen sie übrigens ein schönes Maßwerk. Der Turm wurde 1902 restauriert und mit hübschen Portale geziert.
Die innere Ausstattung der Kirche ist recht bescheiden. Der Hochaltar, das Geschenk einer Dame, ging 1868 aus der Werkstatt des Bildhauers Seling in Osnabrück hervor und ist dem Vhore angepasst. Der alte Hochaltar war wie die beiden Nebenaltäre im Zopfstil gehalten. Der Hauptschmuck eines älteren Altares war die Darstellung der Ermordung des Kirchenpatrons St. Matthäus durch den König Hirtakus. Das Bild hängt jetzt an der nördlichen Chorwand. Unter den Statuen ist keine von Bedeutung. Wertvoll ist indessen das große romanisch Kruzifix an der Nordwand des Hauptschiffes. Bis 1890 waren in der Kirche mehrere Grabgewölbe; si sind, als man den Fußboden mit Fliesen belegte, zugeschüttet.
Die Kirche besitzt ein schönes Geläut. Die große Glocke (es) hat 152 cm Durchmesser und 134 cm Höhe und zeigt die Inschrift (Ich rufe zur Freude, wecke zur Andacht, stimme zum Leide) 4842. Am Rande der Mittelglocke (ges) finden sich hübsche Verzierungen. Sie ist 97 cm hoch und hat einen Durchmesser von 119 cm.
Die kleinste Glocke (as) mißt 80 cm Höhe und 68 cm im Durchmesser und wurde 1848 gegossen.
Unmittelbar südlich an der Kirche steht die katholische Hauptschule. Der Platz war bis 1842 katolischer Kirchhof. In nächster Nähe des Marktplatzes an der Haferstraße ist die evangelische Kirche Sie ward nach dem Brande 1720 erbaut. 

Die erste evangelische Kirche wurde 1651 - 1660 ausgeführt. Zum Bau derselben wurden in kurzer Zeit 108.000 Mark gesammelt. Der König von Dänemark gab 405 Mark, der Herzog von Lüneburg 990, Gustav Gustavson 300, Eberhard Georg von Ohr auf Bruche 300 Mk, die Stadt Osnabrück 390, Stralsund 480 Mk; noch viele weitere Personen stifteten namhafte Beträge. Für die evangelische Kirchengemeinde war es ein harter Schlag, als die Kirche durch Feuer vernichtet wurde. Sie konnte aus eigenen Mittel kein neues Gotteshaus aufbauen. Es wurde ihr daher 1722 eine Generalkollekte bwillig, welche aber nur wenig einbrachte. Deswegen schritt der Bau der Kirche recht langsam voran. Da0 er überhaupt zu stande kam, is der tatkräftigen Unterstützung des Bischofs Ernst August II. aus dem Hause Braunschweig -Lüneburg zuzuschreiben. Erst 1723 konnte die Kirche für den Gottesdienst in Benutzung genommen werden.
Sie ist dreischiffig, in gotischem Stil gehalten und hat an jeder Seite drei schlanke Säulen. Die Dekoration ist einfach aber ganz geschmackvoll. Über dem Altare am Gewölbe der Apsis erblickt man das Braunschweig - Lüneburgische Wappen mit der Inschrift: Pro lege et rege. An den Seiten sind mehrere Priechen, welche der Stadt Melle, Gut Bruche, Schloß Gesmold, und Gut Lar gehören und mit Wappen dieser Güter und der Stadt Melle geziert sind. Den aus der Zopfzeit stammenden Altar schmücken zwei Gemälde, das untere, größere stellt die Abendmahlsfeier dar, das obere die Auferstehung Christi. Der Taufstein ist von Ostenfelde gestiftet, der erste Kronleuchter von Heinrich Borgstede 24. Dezember  1759) Hübsch ist das Profil der Orgel.
Auf dem schlanken Turme hängt ein etwas scharfes Geläut, das von dem Glockegieße Rinker hergestellt wurde.

Am Ausgange der Stadt liegen an der Riemsloher Straße der Engelgarten und das evangelische Krankenhaus. Der Engelgarten war lange adeliges Besitztum. Das evangelische Krankenhaus ist durch verschiedene Erweiterungs- und Umbauten im Laufe der Zeit ein ansehnliches Gebäude geworden. Kehren wir zum zum Schürenkamp zurück. Auf demselben kommen wir zunächst an die Präparandenanstalt; 1900 von der Stadt Melle erbaut, ist sie den Anforderungen der Neuzeit entsprechend ausgestaltet. In der prächtigen Aula ist eine hübsche Orgel. Unmittelbar neben der Präparandie steht die 1896 errichtete Bürgerschule, etwas weiter das Matthäusstift., das katholische Krankenhaus.Es ist das ansehnlichste Gebäude der Stadt Melle. Der Mittelbau wurde 1896, der linke Flügel 1899, der rechte 1906 ausgeführt. Die ruhige Lage, der schöne Garten und die komfortable Einrichtung machen das Stift zu einem angenehmen Aufenthalt für Kranke und Erholungsbedürftige. Ecke Schürenkamp und Neuenkirchenerstraße liegt das Amtsgerichtsgebäude, vom Volke “Amthaus” genannt.    

Ihm nordwestlich gegenüber war ehedem Haus Walle, ein Landtagsfähiger Burgmannssitz, von welchem jetzt nur noch der Torweg erhalten ist,den Schlachtermeister Schmersal zu Geschäftszwecken umbaute. Haus Walle war lange Zeit im Besitz derer von Plettenberg. Die Herren von Plettenberg angesehen, beaßen viele Lehngüter, z.B. im Grönegau Heßpen Haus und Erbe mit Zubehör in Holsten, Lülemink zu Laer, Künniges zu Buer, Werkmeisters Haus zu Uhlenberg, Holtgrve zu Nordenfelde, und fürten viele Streithändel. Engelbert von Plettenberg wurde 1435 von dem Tecklenburger Dienstmanne Engelbert Reinecke von Anholt mit Femklage verfolgt. Johann von Plettenberg hatte dem Bischof bedeutende Summen geliehen. Für die Zinsen wurde ihm der 1500 der Zehnte zu Altenmelle überwiesen. Georg von Plettenberg sammelte 1586 während des Spanisch - Niederländischen Krieges eine große Anzahl reisiger Knechte für den englischen Grafen Leicester. Walter von Plettenberg war Hochmeister des Deutschen Ritterordens. Ob er ein Sproß des hiesigen Geschlechts ist, kann nicht Sicherheit behauptet werden. Später verarmten die Plettenberger auf Haus Walle und mußten ihren Besitztum verkaufen. Zwischen den Käufern brach ein langwierigr Prozeß aus, der 1621 geschlichtet wurde.

Ecke Plettenberger- und Grönenbergerstraße, wo jetzt die Eberhardsche Kohleniederlage ist, war ehedem das Heiligen-Geist-Kloster. Wann es aufgehoben ist, weiß man nicht. In dem Hause fanden bis vor 60 Jahren arme alte Frauen Unterkunft. Die Mittel des Klosters sind dem Armenfond der Stadt einverleibt. Am westlichen Ende der Grönenberger Straße liegen das evangelische Hauptschulgebäude und das Geburtshaus des Bischofs Dr. Albertus Bitter.
(es folgt der Lebenslauf des späteren Bischofs Bitter)

Verfolgt man die Straße weiter, so gelangt man zum Grönenberge; er liegt auf fiskalischem Grunde. Struppige Eichen niedriges Gehölz machen ihn weithin kenntlich. Man nimmt an, daß hier eine sehr alte Burg gestanden habe; dieselbe wird 1250 erwähnt; 25 Jahre vorher hatte Bischof Engelbert den Grönegau schon in Besitz genommen. 

Bischof Konrad von Rietberg versetzte 1285 den Grönenberg, aber der Koadjutor Diedrich von der Mark löste ihn wieder ein und ließ daselbst eine neue Burg nebst festen Turm ausführen. Bischof Melchior von Grubenhagen verpfändete um 1370 den Grönenberg abermals nebst 20 Burgmännern. Als 1390 Bischof Diedrich von Horn vom Grönenberge nach Melle ritt, wurde er von Alhard von dem Busche überfallen und gefangen genommen. Bischof Otto von Hoya befestigte um 1415 den Grönenberg noch mehr und baute das Schloß weiter aus. Von 1454 bis 1551 war es im Pfandbesitz der Ritter von dem Busche zu Gesmold. Nachdem 1556 für längere Zeit der Grönegau auch dem in Iburg wohnenden Drosten unterstellt war, verlor der Grönenberg sein Ansehen als Landesburg. Unter Bischof Heinrich III. von Sachsen wurde das Schloß niedergerissen; den Turm ließ man stehen und benutzte ihn als Gefängnis. 1771 saßen in demselben noch drei Verbrecher, welche auf dem Galgenkamp hingerichtet wurden. Der Armsünderweg führte an Haus Rabingen vorbei durch die Lindhart zu Kolon Selhöfer in Altenmelle. Später zerfiel auch der Turm und wurde ganz weggerissen. 

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