zuletzt geändert am 04.06.2020

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Sondermühlen

Sondermühlen war bis 1970 die Kernsiedlung in der Gemeinde Handarpe - Kirchspiel Sondermühlen. So genannt weil in Sondermühlen die Kirche für die damalige Gemeinde Handarpe steht. Dieser Zusatz war notwendig, denn es gab nicht weit entfernt auch Handarpe – Kirchspiel Wellingholzhausen. Zudem gehörte Handarpe - Kirchspiel Sondermühlen zur Samtgemeinde Melle.
Seit 1970 ist diese ehemalige Gemeinde Handarpe unter dem Namen Sondermühlen ein Ortsteil von Melle, bzw. seit 1972 des Stadtteils Melle-Mitte. Damals mussten eben Orte und Straßen umbenannt werden, damit es in der neuen Stadt Melle zu keinen Verwechslungen kam.
Handarpe wurde 1169 als “Hantharpe” erstmals erwähnt, Sondermühlen im 16. Jh. als “Sunnermüelen”.
 

Sondermühlen

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g_Sondermühlen

Eine ”Google Earth”- Abbildung des Ortsteils kann behilflich sein, die Ortsstruktur besser zu erkennen. Zum Vergrößern bitte anklicken.

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Sondermühlen in der Stadt Melle

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Sondermühlen im Stadtteil Melle-Mitte

Einwohner (1933)

194

Einwohner (1961) 

291

Fläche:

3,85 Km²

 

Straßen in Sondermühlen

 

Borgholzhausener Str.

Laerbachwiesen

Hier ist eine Beschreibung des Ortes aus dem Buch “Der Kreis Melle” von Franz Schulhof aus dem Jahr 1908

 

1Sondermuehlen1

Handarpe - Hochdorf. liegt auf einem Höhenzug zwischen Violenbach und Steinbach und wird von der Landstraße melle - Neuenkirchen durchschnitten. In dieser Bauerschaft ist am Violenbache das vielgenannte Gut Sondermühlen - Mühle im Sundern, einer Talsenkung

1Sondermuehlen2
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Sondermühlen, reich an ausgedehnten Ländereien und herrlichen Waldungen, ist jetzt fiskalisch. Vom alten Schloß sind nur der Torbogen und ein Nebengebäude erhalten, das als Försterwohnung dient, und die Gutskapelle, heute eine Schreinerwerkstatt, noch erkennbar an den farbigen Fenstern. Über den versumpften führt eine alte steinerne Brücke. Sie hat in der Mitte ein Ruhebank.

Auf Sondermühlen lebte das mächtige Geschlecht von Rehem, ungemein reich begütert, sehr wohltätig gegen Arme und Notleidende, gegen Kirche und Schule. Dietrich von Rehem sollte 1606 Droste zu Wittlage werden. Als der Bischof 1617 eine Reise nach Dänemark unternahm, begleitete ihn der Herr von Sondermühlen und bekam für seine wichtigen Dienste die Gografengebühr von Neuenkirchen und Wellingholzhausenn. Der Kammerherr vFriedrich von Nehem (1753) hatte nur einen Sohn, der in Göttingen im Duell fiel. Seine Töchter hatten sich ohne väterliche Einwilligung vermählt; er verkaufte deswegen Gut Sondermühlen für 240000 Mark an das Domkapitel zu Osnabrück, welches die Verwaltung desselben dem Gutsgeistlichen übertrug.Das blieb auch so, als durch Säkularisation des Bistums das Gut der Landesherrschaft zuviel. Vikar Hoberg war der letzte Geistliche, der das Gut verwaltete. Nach 1800 war es an Graf Leopold zu Stolberg verpachtet.Er starb hier am 5. Dezember 1819 und wurde auf Tatenhausen am Saume eines dunklen Tannenwaldes begraben, wo ein einfaches Grabmal die Ruhestätte bezeichnet. Der Denkstein trägt die Inschrift:

Hier ruht
Friedrich Leopold

Graf
zu Stolberg
Geboren den 7.November 1750
zu Bramstedt in Holstein
gestorben den 5. Dezember 1819
in Sondermühlen, unweit Osnabrück

Also hat Gott die Welt geliebet, daß
Er Seinen eingeborenen Sohn gab,
damit alle, die an ihn glauben,
nicht verloren gehen, sondern
das ewige Lebenhaben




Graf Leopold war ein edler Mann, ein gottesfürchtiger Dichter, “eine deutsche Eiche”. Die Würdigung seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist Aufgabe der Literaturgeschichte, aber seine glühende Vaterlandsliebe verdient der Erwähnung. Er gab der deutschen Jugend die beiden schönen Lieder: “Mein Arm wird stark” und “Sohn, da hast du meinen Speer”. Letzteres soll er auf der Bank der Burggrabenbrücke gedichtet haben. Die Freitsgesänge waren ihm kein leerer Wortschwall. Selbst zu alt die Waffen gegen Napoleon zu ergreifen, opferte er zehnmal sein Blut in Kindern und Verwandten für die Freiheit des Vaterlandes. Der älteste Sohn Ernst kämpfte bereits mit Auszeichnung in der Schlacht von Aspern, Als Preußens König den Aufruf an sein Volk erließ, eilten zwei Schwiegersöhne und vier Söhne Stolbergs zu den Fahnen, unter ihnen der erst 17-jährige Cajus, der sich hatte in den Landsturm aufnehmen lassen. Sein Christian fand den Heldentod in der Schlacht bei Ligny.







Die frommen Gebete des greisen Adelsmannes begleiten die deutschen Waffen. Den 1813 ausgesprochenen Herzenswunsch: Gott helfe dir, er lasse dich neu gesunden und erstarken, du großes, gutes Vaterland, dem von Jugend auf meine Liebe gehörte, in Leid und Freud, in Schmach und Ruhm, sah er noch in Erfüllung gehen. In unseren Herzen aber möge das Andenken an den glühenden Vaterlandsfreud lebendig bleiben und uns in ernsten Zeiten zu gleicher Tatkraft anspornt!

 


Seit undenklichen Zeiten besaßen die in der Nähe von SSondermühlen wohnenden Katholiken das Recht, dem Gottesdienste in der Gutskapelle beizuwohnen. Deswegen mußte auch, als das Gut fiskalisch geworden war, daselbst ein Geistlicher stationiert und von der Regierung unterhalten werden. 1862 wurde, um den Kindern die weiten Schulwege zu ersparen, die jetzige Schule erbaut, in welcher der Geistliche den Unterricht erteilte.Bald genügte aber auch die Schloßkaoelle den berechtigten Ansprüchen nicht mehr. Da entschlossen sich die Katholiken der neu gebildeten Schulgemeinde (aus den Bauerschaften Handarpe, Schlochtern und Eickholt) eine neue Kirche aufzuführen. Der Plan kam 1869 zur Ausführung. Die Kapelle ist ein hübscher gotischer Bau nach der Zeichnung des Baumeisters Behners in Osnabrück. Auf dem schlanken Turme schlagen zwei Glocken.

Sondermühlen 11

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