zuletzt geändert am 04.06.2020

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Wetter

Ungewöhnlich lange, schon seit 1408, trägt der Ort Wetter seinen heutigen Namen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ortschaften hat sich der Name seit den ersten Erwähnungen 1215/16, als "Wettere" und "Wetere", nur wenig verändert. Da wurde mal ein "t" weggelassen oder ein "e" und "h" hinzugefügt.
Das folgende Zitat aus dem Buch "Die Entstehung der Höfe und Dörfer im Kirchspiel Buer" (Heimatverein Melle-Buer) weist auch auf eine außergewöhnliche und traditionsreiche ehemalige Bauerschaft hin, die sich früh ein wenig dem Diktat der Grundherren entzogen: 

"Die Wetterfreien gingen jedoch wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert eine Verbindung ein mit dem adeligen Damenstift Neuenheerse bei Paderborn, dem sie nur eine sehr geringe jährliche Abgabe zahlten.
Das wurde von den anderen Grundherren des Landes anerkannt, so dass die Wetterfreien jahrhundertelang keine anderen Steuern und Abgaben zu leisten brauchten."

 
Diese “Verbindung” war zwar eine Schenkung des Bistums Osnabrück an das Kloster Oesede aus dem Jahr 1015 und die wurde dann nach Paderborn weiter verschenkt, aber das ist auch ein kleiner Hinweis darauf, wofür “Steuern” damals verwendet wurden)
Ausführlich wird die Geschichte von Wetter in dem Buch “Wetter und die Wetterfreien” beschrieben. (Herausgeber: Heimatverein Melle e.V.).
Beide hier genannten Bücher sind auch in der Stadtbibliothek Melle ausleihbar.

Vor allem in den 1950er Jahren entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser, auch weil nach dem WK II viele Flüchtlinge in Wetter eine neue Heimat fanden.
Die meisten Höfe in Wetter sind in den letzten Jahrzehnten zu reinen Wohnhäusern umgebaut worden.

 

Wetter
56

Wetter in der Stadt Melle

56a

Wetter im Stadtteil Buer

Einwohner (1972)

443

Einwohner (1961)

521

Einwohner (1933) 

334

Fläche:

4,43 Km²

 

Straßen in Wetter

 

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Im Wiele

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Krukumer Str.

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Eine ”Google Earth”- Abbildung des Ortsteils kann behilflich sein, die Ortsstruktur besser zu erkennen. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Hier ist eine Beschreibung des Ortes aus dem Buch “Der Kreis Melle” von Franz Schulhof aus dem Jahr 1908

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Wetter. Dieser Name wurde schon 1215 erwähnt. Er soll nach Jellinghaus auf einen alten Gerichtsplatz deuten und herkommen von “zu wette” - Gesetz, Bund.
Geschichtlich denkwürdig ist der Amthof Wetter. Der Meierhof zu Wetter wahrscheinlich schon zu altsächsischer Zeit einer der bedeutendsden Freienhöfe in der hiesigen Gegend gewesen. Er besaß in der Buerschen Mark ausgedehnte Berechtigungen. In unmittelbarer NNähe des Erbwohnhauses sind mehrere Aschekrüge gefunden, woraus wohl gefolgert werden kann, daß auf diesem Hofe zur Heidenzeit schon Häuptlinge gewohnt haben. Auch die uralten Eichen und Linden, welche bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts vorhanden waren, beweisen ein tausenjähriges Bestehen des Hofes. Östlich vom Wohnhause stand die berühmte “Wettereiche”, deren hohles Stammendeam noch auf dem Hofe zu sehen ist. Sie hatte 42 hannoversche Fuß im Umfang. Am 7. Dezember 1868 wurde sie von einem Orkane umgeworfen. Am Eingange des Hofes stehen noch jetzt zwei uralte Linden. Uinter diesen Bäumen tagten die Wetterfreien auf ihren jährlichen Versammlungen. Karl der Große verlieh nach der Unterwerfung der Sachsen dem Bischof den Zehnten von allen freien Höfen. Der Bischof aber verschenkte den Zehnten aus der Bauerschaft Wetter erst an den Ritter Bernhardus von Gesmel, dann an das Kloster zu Iburg. Später entwickelte sich aus Zehntpflicht vielfach die Hörigkeit, welche durch das im 12. Jahrhunderte herrschende Raubrittertum begünstigt wurde. Um ihre bedrohte Freiheit zu verteidigen verbanden sich wahrscheinlich im 12. Jahrhundert mit dem Besitzer des größten Freienhofes, Meier zu Wetter, folgende 22 Voll- und Halberben: Linkermann, Kuddes, Sprenger, Aring und Plohr in Wetter, Benne, Schaus und Milies in Düingdorf. Krkemeie, Mitthövener und Manhenrich in Krukum, Rosendahl, Degen und Bergosse in Riemsloh, König in Döhren, Lindemann in Ostenfelde, Muhle in Handarpe, Alleweld in Altenmelle, Imker, Dütscher Hesse und Schröder in Linken (Markendorf). Später wurden noch 23 kleinere freie Voll- und Halberben in den Bund aufgenommen:
(es folgen weitere 23 Namen) 

Anfangs mochte diese Verbindung stark genug sein, ihre Mitglieder vor den Raubgelüsten der Ritter und Edlen zu schützen. Später aber begaben sich die Wetterfreien in den Schutz des paderbornsche adeliges Frauenstiftes Herse. Dieses verpflichtete sich, alle Rechte der Wetterfreien zu schützen, und gab der Verbindung eine feste Ordnung. Die ganze Verbindung bildete das Amt Wetter. Der Meierhof wurde der Amthof genannt. Auf diesem wurde der Pflichttag d. h. die Versammlung der Wetterfreien alljährlich am Dienstag nach Michaelis unter der Eiche abgehalten. Der Amtmeier war der Freivog. Derselbe hatte alle Angelegenheiten der Verbindung wahrzunehmen, den Wetterfreien im Notfalle Hilfe zu leisten und ihre Freiheit zu wahren. Letztere standen in der Höferolle , welche am Pflichttage verlesen wurde, verzeichnet. Der Amtmeier war auch Richter der Wetterfreien, unter Assistenz von zwölf auf dem Pflichttag gewählten Beisitzern, den sogenannten Eidgeschworenen, und konnte in Gegenwart in Gegenwart zweier ehrbarer Männer ein Testament aufnehmen. Noch andere Gesetze und Verordnungen wurden vereinbart. Als Gegengabe mußten die Wetterfreien dem Stift Herse jährlich 20 Taler und jeder neuen Äbtissin 20 Taler “Willkommen” geben; außerdem erhielt der Stiftskaplan beim Tode eines Besitzers dessen “oberstes Kleid” und die Stiftsdamen beim Hinscheiden einer Besitzerin deren “bestes Kleid”.

Im 13. Jahrhundert ernannte die Äbtissin von Herse den Grafen von Ravensburg  zum Edelvogt über die Wetterfreien. Anfänglich waren seine Befugnisse gering . Später aber bedrängte er die Wetterfreien immer mehr und schmälerte ihre Freiheit. Da schickte die Äbtissin 1590 zwei Bevollmächtigte zum Pflichttage und ließ in bündiger Form die alten Rechte der Wetterfreien wieder herstellen.

Am 21. November 1613 trat die Äbtissin Ottilia die Schutzrechte über die Wetterfreien an den Philipp Sigismund von Osnabrück ab. Einerseits wurde sie durch die unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts dazu veranlaßt, anderseits hatten die Wetterfreien den Schutz des Klosters wohl beansprucht, die Abgaben aber recht nachlässig entrichtet.

Als Ravensberg an Brandenburg kam, brach für die Wetterfreien eine üble Zeit an. Zwischen dem Kurfürst von Brandenburg und dem Bischof von Osnabrück entstand ein heftiger Streit um den Besitz der Edelvogtei über die Wetterfreien und diese waren der leidende Teil. Sie wurden mit Abgaben belastet, mit Diensten gequält, ja sogar ausgepfändet. 1664 kamen sie ganz unter Osnabrücker Oberhoheit, und der Bischof Ernst August I. bestätigte 1672 alle ihre Rechte und Freiheiten. Diese wurden aber später von den Buerschen Markgenossen angegriffen

Mit der französischen Herrschaft in Deutschland gingen alle Vorrechte des Amthofes Wetter verloren. Eine neue Zeit brach an. Die Verbindung der Wetterfreien erhielt sich bis um 1840, sie hatte aber keine rechtliche Bedeutung mehr. “Immer kamen die Besitzer der fraglichen Höfe am Dienstag nach Michaelis auf dem Amtshofe zusammen, um diesen früher so wichtigen Tag gemeinsam zu verleben und sich über die “gute alte Zeit zu unterhalten. Die Teilnehmer brachten Schinken und Brot in herkömmlicherWeise mit, der Amthof lieferte das Bier. Das beste Stück Schinken wurde dann mit Zucker bestreut und der Frau des Amtmeier in das Zimmer gebracht. Allmählich kamen die Pflichttage ganz in Wegfal und leben jetzt nur moch in der Erinnerung.

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